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Darum geht’s
Null Euro pro Trade und trotzdem verdient dein Broker mit: Dieses Modell ist seit dem 1. Juli 2026 in der EU verboten. Die Analyse zeigt, wie Payment for Order Flow funktionierte, warum die EU es stoppt, wie Trade Republic und Scalable jetzt reagieren und was das für dein Depot bedeutet.
Ein Daumen-Wisch, null Euro Gebühren, Aktie im Depot. So fühlte sich Investieren für eine ganze Generation an. Seit dem 1. Juli 2026 ist das Geschäftsmodell hinter diesem Gefühl in der EU verboten: Payment for Order Flow, kurz PFOF. Die Rückvergütungen, mit denen Neobroker wie Trade Republic jahrelang ihre Gratis-Trades finanziert haben, sind Geschichte.
Für kaum eine Zielgruppe ist das relevanter als für junge Anleger. Wer heute unter 30 ist und investiert, tut das meist per App, oft angestoßen durch Finanztipps aus Social Media. Genau diese App-Generation handelt bei den Brokern, die ihr Geld bisher vor allem mit PFOF verdient haben.
Diese Analyse zeigt, wie das Gratis-Modell wirklich funktionierte, warum die EU es stoppt, wie Trade Republic, Scalable Capital und Co. jetzt reagieren und was sich für dein Depot konkret ändert.
Die Zahl, um die es geht
Null Euro Ordergebühr heißt nicht null Kosten: Bezahlt wurde über den Spread, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Die spanische Aufsicht CNMV maß bei PFOF-Handelsplätzen Kursabweichungen von mehreren Basispunkten gegenüber der Referenzbörse. Kosten, die auf keiner Abrechnung stehen.
Kapitel 01
Payment for Order Flow stammt aus den USA und funktioniert so: Dein Broker leitet deine Order nicht an eine große Börse wie Xetra, sondern an einen sogenannten Market Maker. Das ist ein Finanzhaus, das Aktien und ETFs auf eigene Rechnung kauft und verkauft. Für jede weitergeleitete Order zahlt der Market Maker dem Broker eine Rückvergütung. Dein Broker verdiente also nicht an dir, sondern an dem Handelspartner, zu dem er dich geschickt hat.
Bezahlt hast du trotzdem, nur unsichtbar. Der Market Maker holt sich die Rückvergütung über den Spread zurück, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Ein Rechenbeispiel von onvista macht es greifbar: An der Börse Xetra liegt der Spread einer Aktie bei 0,02 €, beim Market Maker bei 0,10 €. Du zahlst beim Kauf ein paar Cent mehr und bekommst beim Verkauf ein paar Cent weniger. Bei einem einzelnen Sparplan fällt das kaum auf. Bei Millionen von Orders wird daraus ein Geschäftsmodell.
Wichtig für die Einordnung: Verboten war daran nichts, und für Einsteiger war das Modell sogar ein Segen. Ohne die Gratis-Trades der Neobroker hätten viele junge Menschen nie angefangen zu investieren. Die Frage war nie, ob das Modell funktioniert. Die Frage war, für wen.
Kapitel 02
FAQ
PFOF ist ein Vergütungsmodell, bei dem ein Broker Kundenorders an Market Maker weiterleitet und dafür eine Rückvergütung erhält. Der Market Maker finanziert diese Provision über den Spread, also die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. So konnten Neobroker Trades für 0 bis 1 € anbieten, obwohl Kunden indirekt über die Kurse bezahlt haben.
Die EU sieht einen strukturellen Interessenkonflikt: Broker haben einen Anreiz, Orders an den Market Maker mit der höchsten Provision zu leiten statt an den Handelsplatz mit dem besten Kurs. Das widerspricht der Pflicht zur bestmöglichen Ausführung nach MiFID II. Die Studienlage ist gemischt: Die spanische Aufsicht CNMV maß Kursabweichungen von mehreren Basispunkten, eine BaFin-Untersuchung von 2022 fand in manchen Fällen sogar Vorteile für Kunden. Die EU schließt den Interessenkonflikt mit dem Verbot grundsätzlich aus.
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Die EU sieht in PFOF einen strukturellen Interessenkonflikt: Ein Broker, der pro Order eine Rückvergütung kassiert, hat einen Anreiz, deine Order dorthin zu leiten, wo die Provision am höchsten ist, und nicht dorthin, wo dein Preis am besten ist. Das kollidiert mit der Pflicht zur bestmöglichen Ausführung, auf die du als Kunde seit der Finanzmarktrichtlinie MiFID II Anspruch hast. Bemerkenswert dabei: Belege für systematisch schlechtere Kurse in Deutschland gab es nicht, eine BaFin-Untersuchung von 2022 fand für Kunden in manchen Fällen sogar Vorteile. Die EU verbietet den Mechanismus trotzdem, um den Anreiz von vornherein auszuschließen.
Mit der überarbeiteten EU-Verordnung 2024/791 wurde PFOF deshalb bereits im März 2024 EU-weit untersagt. Deutschland nutzte eine Übergangsregelung, die das Bundesfinanzministerium für den heimischen Markt aktiviert hatte, denn kaum ein anderes EU-Land hing so stark am PFOF-Modell. Diese Frist lief am 30. Juni 2026 aus. Seit dem 1. Juli gilt das Verbot ausnahmslos, für alle Broker mit Sitz in der EU.
Wie viel Geld auf dem Spiel steht, zeigen die Reaktionen der Branche: Laut Wirtschaftswoche entgehen den Neobrokern durch das Verbot Millioneneinnahmen. Trade Republic selbst beziffert den PFOF-Anteil an den eigenen Erträgen auf unter 30 %. Das klingt beruhigend und bedeutet trotzdem: Bis zu 30 % der Erträge brauchten ein neues Fundament.
Das größte Missverständnis über Gratis-Trades
Dein Broker war nie kostenlos. Er hat nur an einer Stelle verdient, die du nicht siehst: im Kurs, zu dem deine Order ausgeführt wird. Die ehrlichste Frage an jeden Broker lautet nicht „Was kostet eine Order?“, sondern „Woran verdienst du?“.
Kapitel 03
Zum 1. Juli hat kein großer deutscher Neobroker die Gebühren erhöht. Stattdessen haben die Anbieter ihre Geschäftsmodelle umgebaut, jeder auf seine Art. Trade Republic ging einen Tag nach dem Stichtag in die Offensive und stellte ein eigenes Ausführungsmodell vor: Orders laufen jetzt über ein Bestpreis-Verfahren, das die Kurse aller relevanten Börsen in einem aggregierten Orderbuch vergleicht. Möglich macht das eine eigene Handelsplatz-Lizenz, die der Broker Anfang 2026 erhalten hat.
| Broker | Reaktion auf das PFOF-Verbot |
|---|---|
| Trade Republic | Eigenes Bestpreis-Modell seit 2. Juli, weiter 1 € pro Trade, ETF-Sparpläne kostenlos, neuer Direktpreis (2 €) mit freier Börsenwahl |
| Scalable Capital | Eigene Börse EIX seit Ende 2024 (mit der Börse Hannover), verdient als Market Maker am Spread |
| finanzen.net zero | Neues Gutschriftenmodell seit März 2026, Konditionen bleiben laut Anbieter unverändert |
| N26 | Nutzte nie PFOF, führt aber ab September 2026 wieder 0,90 € Ordergebühr ein |
| justTRADE | Keine kommunizierte Strategie, das bisherige Modell basierte fast komplett auf PFOF |
Auffällig ist, wie unterschiedlich gut die Anbieter vorbereitet sind. Scalable Capital hat den Umbau schon Ende 2024 abgeschlossen und verdient seitdem transparent am Spread der eigenen, von der BaFin regulierten Börse. Trade Republic wird mit dem neuen Modell selbst zur Gegenpartei seiner Kunden, was den alten Interessenkonflikt nicht beseitigt, sondern verlagert. Und bei justTRADE fehlt bis heute eine Antwort auf die Frage, wovon der Broker künftig leben will. Wer dort investiert, sollte die Kommunikation der nächsten Wochen genau verfolgen.
Kapitel 04
Die kurze Antwort: weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen, aber mehr, als die Broker zugeben. Für Sparplan-Anleger mit kleinen monatlichen Raten bleibt fast alles beim Alten. Kostenlose ETF-Sparpläne sind das Marketing-Herzstück der Neobroker und bleiben es auch ohne PFOF. Wer dagegen regelmäßig größere Einzelorders handelt, sollte ab jetzt auf zwei Dinge achten: den Spread und den Ausführungsplatz.
Die gute Nachricht: Ohne PFOF-Anreize muss deine Order nicht mehr dorthin wandern, wo die Provision am höchsten ist. Im besten Fall bekommst du künftig systematisch bessere Kurse. Der gemeinnützige Geld-Ratgeber Finanztip hält spürbar höhere Kosten für unwahrscheinlich. Die weniger gute Nachricht: Die Kosten verschwinden nicht, sie ziehen um. Ob Spread auf der brokereigenen Börse oder Vermittlungsentgelt beim Abwicklungspartner: Bezahlt wird weiterhin, nur an anderer Stelle.
Warum das trotzdem ein Fortschritt ist
Der Unterschied liegt in der Transparenz. Ein Spread auf einer BaFin-regulierten Börse ist messbar und vergleichbar. Eine Rückvergütung zwischen Broker und Market Maker war es nicht. So kannst du deutlich besser nachvollziehen, woran dein Broker verdient.
Kapitel 05
Das PFOF-Verbot ist kein Grund zur Panik und erst recht kein Grund, dein Depot aufzulösen. Es ist aber ein guter Anlass, einmal genau hinzuschauen, was dein Broker eigentlich mit deinen Orders macht. Vier Punkte reichen:
Und vielleicht die wichtigste Lehre aus der PFOF-Debatte: Frag bei jedem Finanzangebot, wer daran verdient. Diese eine Frage hätte das Geschäftsmodell der Gratis-Trades schon vor Jahren entzaubert. Sie funktioniert übrigens auch bei Finanztipps, Kreditangeboten und jeder App auf deinem Homescreen.
Bea ist unabhängig, verkauft dir keine Finanzprodukte und erklärt dir, was Regeländerungen wie das PFOF-Verbot für dein Geld bedeuten: ehrlich, verständlich und ohne versteckte Anreize.
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Zum Stichtag hat keiner der großen deutschen Neobroker die Gebühren erhöht: Trade Republic bleibt bei 1 € pro Trade mit kostenlosen ETF-Sparplänen, Scalable Capital bei seinem Tarifmodell. Entscheidend sind künftig die Gesamtkosten aus Gebühr und Spread. Bei justTRADE ist eine Anpassung wahrscheinlich. N26, das nie auf PFOF setzte, führt unabhängig davon ab September 2026 wieder 0,90 € Ordergebühr ein.
Trade Republic hat am 2. Juli 2026 ein eigenes Ausführungsmodell gestartet: Orders werden zum Bestpreis über ein aggregiertes Orderbuch aller relevanten Börsen ausgeführt. Die Pauschale bleibt bei 1 € pro Trade, ETF-Sparpläne bleiben kostenlos. Neu ist der optionale Direktpreis für 2 €, bei dem du deinen Handelsplatz aus rund 30 Börsen selbst wählst.