Studienkredit: 4 Entscheidungen, bevor du dir Geld leihst


Darum geht’s
Ein Studienkredit kostet Zinsen – also ist er die letzte Geldquelle nach BAföG, Stipendium und Job, nicht die erste. Welcher Kredit (Bildungskredit, KfW oder Bildungsfonds), wie viel du aufnimmst und wie du zurückzahlst, entscheidet über Hunderte bis Tausende Euro. 4 Entscheidungen, die deine Kreditkosten bestimmen. Welche steht bei dir an?
Kapitel 01
Ein Kredit ist die teuerste Geldquelle, weil du ihn mit Zinsen zurückzahlst. Bevor du einen aufnimmst, schöpfe die günstigeren Quellen in dieser Reihenfolge aus: (1) BAföG – die Hälfte ist geschenkt, der Rest zinslos. (2) Stipendien – z. B. das Deutschlandstipendium mit 300 €/Monat, oft auch ohne Bestnoten. (3) Werkstudenten- oder Nebenjob. (4) Unterstützung der Familie. Erst was dann noch fehlt, ist deine echte Finanzierungslücke – und nur die solltest du über einen Kredit decken.
Sofort-Aktion: Rechne deine Lücke aus. Monatliche Ausgaben (Miete, Essen, Versicherung, Semesterbeitrag, Handy, Freizeit) minus alle monatlichen Einnahmen (BAföG, Job, Familie, Stipendium). Nur die Differenz finanzieren – nicht den vollen Kreditrahmen ausschöpfen, „weil es geht". Faustregel: Jeder Euro, den du nicht leihst, spart dir später Zinsen über die gesamte Rückzahlung.
Beispiel-Budget: Ausgaben, Einnahmen und die Lücke
Deine Ausgaben sind 950 €/Monat. Du bekommst 400 € BAföG und verdienst 300 € im Nebenjob. Wie groß ist die monatliche Finanzierungslücke, die ein Kredit decken müsste?
Ausgaben minus alle Einnahmen.
Tipp
Reihenfolge-Trick: Jeder Euro aus BAföG, Stipendium oder Job ist günstiger als jeder Kredit-Euro. Bevor du unterschreibst, prüfe noch einmal BAföG (Hälfte geschenkt) und Stipendien – beim Deutschlandstipendium zählen oft auch Engagement und Lebensweg, nicht nur Bestnoten.
Kapitel 02
Es gibt mehrere Wege, einen Studienkredit aufzunehmen – mit sehr unterschiedlichen Kosten. (1) Bildungskredit des Bundes: rund 3,5 % effektiv, aber nur 100, 200 oder 300 €/Monat, maximal 24 Monate (7.200 €) und nur in der fortgeschrittenen Ausbildungsphase. (2) KfW-Studienkredit: rund 6,5 % effektiv, dafür 100 bis 650 €/Monat, längere Laufzeit, ohne Sicherheiten und unabhängig vom Einkommen. (3) Bildungsfonds (umgekehrter Generationenvertrag): keine festen Zinsen, du zahlst später einen Anteil deines Einkommens zurück – fair bei niedrigem, teuer bei hohem Gehalt.
Entscheidungs-Regel: kurzer Bedarf in der Schlussphase (bis 24 Monate, bis 300 €) → Bildungskredit, weil am günstigsten. Längerer oder höherer Bedarf → KfW-Studienkredit. Unsicheres späteres Einkommen → Bildungsfonds prüfen. Sofort-Aktion: Konditionen von zwei Anbietern schriftlich vergleichen – immer den effektiven Jahreszins, nicht nur den Sollzins, und auf variable vs. feste Zinsen achten.
Die zwei staatlichen Kredite auf einen Blick (Stand 01.04.2026)
3,53 %
Effektiver Zins Bildungskredit des Bundes – aber nur 100–300 €/Monat, max. 24 Monate.
6,53 %
Effektiver Zins KfW-Studienkredit – dafür 100–650 €/Monat und flexibel.
0 €
Sicherheiten beim KfW-Studienkredit – unabhängig von Einkommen und Vermögen.
Du brauchst in den letzten zwei Semestern monatlich 300 € extra. Welcher Kredit ist meist die günstigste Wahl?
Hinweis
Achte auf den effektiven Jahreszins, nicht den Sollzins. Nur der effektive Zins enthält alle Kosten und macht Angebote vergleichbar. Beim variablen KfW-Zins gilt: Er kann halbjährlich steigen oder sinken – plane einen Puffer für höhere Raten ein.
Kapitel 03
Der größte Hebel auf die Gesamtkosten ist die Summe – nicht der Zinssatz. Wer 650 statt der gebrauchten 300 €/Monat aufnimmt, „weil es geht", verdoppelt die Schuld und damit auch die Zinsen. Beim KfW-Studienkredit kommt dazu, dass der Zins variabel ist: Jeder zusätzlich geliehene Euro ist also auch ein Stück Zinsrisiko. Regel: Nimm nur die berechnete Lücke und wähle die kürzeste Auszahlungsphase, die für dich passt.
Sofort-Aktion: Setze die monatliche Auszahlung bewusst niedrig an – beim KfW kannst du sie jederzeit anpassen. Sobald du mehr über Job oder ein Stipendium einnimmst, senke sofort die Kreditrate, statt den vollen Betrag weiter mitzunehmen. So bleibt der Schuldenberg klein und du tilgst später schneller.
Schuldenberg nach Monatsrate (Beispiel: 24 Monate Auszahlung)
Tipp
Weniger leihen schlägt jeden Zinstrick: Wer 300 statt 650 €/Monat aufnimmt, halbiert die Schuld – und damit die Zinsen. Nimm Mehreinnahmen aus Job oder Stipendium sofort als Senkung der Monatsrate mit, statt den vollen Kreditbetrag zu behalten.
Kapitel 04
Ein Studienkredit läuft in drei Phasen: (1) Auszahlungsphase – du bekommst monatlich Geld (beim KfW über mehrere Fördersemester, im Erststudium bis zu 7 Jahre). (2) Karenzphase – eine Ruhephase ohne Tilgung (beim KfW in der Regel 18, höchstens 23 Monate; beim Bildungskredit beginnt die Rückzahlung 4 Jahre nach der ersten Auszahlung). (3) Tilgungsphase – du zahlst zurück (beim KfW bis zu 25 Jahre, spätestens bis zum 67. Geburtstag). Wichtig: Schon ab der ersten Auszahlung fallen Zinsen an – beim KfW werden sie standardmäßig direkt vom Auszahlungsbetrag abgezogen.
Sofort-Aktion: Plane die Tilgung früh. Beim KfW kannst du jederzeit kostenlos sondertilgen (ab 100 €) – jede Sondertilgung senkt die Restschuld und spart Zinsen. In der Rückzahlungsphase kannst du den variablen Zins außerdem kostenfrei für bis zu 10 Jahre festschreiben lassen, wenn die Zinsen steigen. Faustregel: so früh wie möglich mit dem Tilgen beginnen und die Karenzphase eher verkürzen als ausreizen.
Die drei Phasen eines Studienkredits
Auszahlungsphase
Du bekommst monatlich Geld (KfW: über mehrere Fördersemester, bis zu 7 Jahre, 100–650 €). Zinsen werden meist direkt abgezogen.
Karenzphase
Ruhephase ohne Tilgung (KfW in der Regel 18, max. 23 Monate). Tipp: eher verkürzen, nicht ausreizen.
Tilgungsphase
Rückzahlung in Raten (KfW bis 25 Jahre, spätestens bis 67). Sondertilgung jederzeit kostenlos.
Schuldenfrei
Je früher und mehr du tilgst, desto weniger Zinsen zahlst du insgesamt.
Beim KfW-Studienkredit tickt die Zinsuhr schon, bevor du den ersten Euro zurückzahlst …
Direktvergleich
| Entscheidung | Worum es geht | Faustregel | Sofort-Aktion |
|---|---|---|---|
| 1. Brauchst du den Kredit? | Reihenfolge der Geldquellen | Kredit zuletzt, nach BAföG/Stipendium/Job | Finanzierungslücke berechnen |
| 2. Welcher Kredit? | Bildungskredit vs. KfW vs. Bildungsfonds | Bildungskredit (3,5 %) vor KfW (6,5 %) | Effektivzins von 2 Anbietern vergleichen |
| 3. Wie viel? | Summe und Dauer bestimmen die Zinsen | Nur die Lücke, kürzeste Laufzeit | Monatsbetrag bewusst niedrig setzen |
| 4. Rückzahlung | Drei Phasen, variabler Zins | Früh tilgen, Sondertilgung nutzen | 3 Phasen klären, Karenz verkürzen |
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Ein Studienkredit ist die teuerste Geldquelle – und die Rückzahlung läuft oft Jahre. Frag Bea: Sie prüft, ob du wirklich einen Kredit brauchst, welcher Typ am günstigsten ist und wie du clever zurückzahlst.
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